gehen oder bleiben?

17. 11. 03

Ich glaube, ich sollte heute etwas über Beziehungen schreiben. Nicht Beziehungen allgemein, sondern über Paarbeziehungen. Beziehungskrisen sind im Moment das Thema Nr. 1 in meiner Praxis. 

Wann weiss man, dass es keinen Sinn mehr hat zusammenzubleiben? Was spricht für eine Trennung, was dagegen? Wer steht wo mit seinen Gefühlen? Was sind die Gründe, dass eine Ehe nicht mehr "funktioniert"? Ab wann ist es nur noch ein ausharren und bis wann soll man hoffen?

Meine entscheidende Frage ist immer: Liebt ihr euch noch? Denn hat sich einer der Partner bereits entliebt, sind wir zu spät. Einen Partner, der gefühlsmässig bereits weg ist zurückerobern zu wollen, ist in den meisten Fällen eher hoffnungslos und bringt nur noch viel Leid und Schmerz. Auch zugefügte Verletzungen und Vertrauensbrüche brauchen viel viel Zeit, Geduld und Liebe um vielleicht irgendwann zu heilen und neuem Vertrauen Platz zu machen.

 

Ein häufiger Grund, warum Paare zusammenbleiben, ist die Sorge darum, was mit den Kindern und dem Haus wird. Aus Angst, alles zu verlieren, inklusive Ansehen und Wohlstand, rauft man sich dann halt nocheinmal zusammen. Hält weitere Jahre durch, hält die Launen des andern aus. Oft kommen Affären hinzu und man verletzt und demütigt sich gegenseitig immer mehr. ....bis es dann doch nicht mehr geht. Obwohl die Kinder noch nicht aus dem Haus oder vielleicht auch frisch ausgezogen sind. So oder so ist es ein Schock für sie und oft traumatisch. Hat sich das ausharren gelohnt! Für die Kinder? Für das Haus? Für sich selbst? Nein! Auch wenn man durchgehalten hat, bis die Kinder ausgezogen sind, bleibt es in den allermeisten Fällen ein Schock. Es gibt natürlich auch die abgeklärten, die finden: endlich! Die ausgeharrten Jahre sind verlorene Jahre. Und was haben die Kinder davon? Negativvorbilder! Das was wir Tag für Tag erleben ist unsere Realität - es wird zur Wahrheit. Wie soll ein Kind als Erwachsener Partnerschaft leben? Eine Tochter, welche eine Mutter zum Vorbild hat, die immer kuscht, nörgelt oder ihren Ehemann wie einen Parasit behandelt, wenn er abends von der Arbeit nach Hause kommt? Was für ein Vorbild hat ihr Bruder? Wenn er sieht, wie sein Vater erst Stunden nach Feierabend Heim kommt und nach Alkohol riecht und keine Kraft mehr hat, mit ihm zu spielen oder Hausaufgaben zu machen? Die Kinder spüren ganz klar, dass hier etwas nicht stimmt, denn jedes Kind trägt das Bedürfnis nach einem harmonischen zu Hause in sich. Aber sie wissen nicht, was nicht stimmt und so beginnen sie zu rebellieren. Jedes auf seine Weise. Das eine fängt an zu kiffen, das andere zu trinken oder sich zu prügeln. Andere projizieren die Disharmonie auf sich selbst, indem sie sich zurückziehen, regredieren, selbstverletzendes oder in der Bewegung stereotypisches Verhalten zeigen.. Und sie werden, mit ziemlicher Sicherheit, als Erwachsene dasselbe durchmachen wie damals ihre Eltern - sie kennen es ja nicht anders. Wir wählen ja bevorzugt einen Partner, der so ist wie unser gegengeschlechtlicher Elternteil. 

 

Wir alle haben das Beste verdient. Wir sollten nicht in einer Beziehung bleiben in der wir nicht glücklich sind.Ich meine nicht, dass man bei jedem Problemchen davonlaufen soll. Man sollte an dessen Lösung arbeiten - beide, gemeinsam. Erst wenn dies nicht mehr möglich ist, Liebe und Wertschätzung verloren gegangen sind oder man einfach beim besten Willen nicht mehr weiter kommt, sollte man sich trennen.

 

Aber gehen wir jetzt davon aus, dass sich die Beiden noch lieben. Sich in ihren Egogeschichten und dem sich selbst nicht kennen auch noch falschen Vorstellungen unterliegen. Hier besteht durchaus Grund zur Hoffnung. Hoffen allein reicht jedoch nicht. Man sollte sich bewusst sein, dass eine gelungene Partnerschaft lebenslange Arbeit bedeutet. In erster Linie an sich selbst: Wer bin ich? Wie bin ich? Wo sollte ich an meiner Persönlichkeit, meinem Charakter arbeiten? Davon profitiert dann auch der Partner. Denn wenn ich weiss, wer ich bin, was ich brauche, was mir wichtig ist, kann ich diese Bedürfnisse auch mitteilen. Und logisch sind damit noch nicht alle Probleme aus der Welt. Aber man kann sich Gedanken darüber machen zu welchen Kompromissen beide bereit sind um eine tragfähige Basis zu schaffen.

 

Jeder von uns möchte geliebt und respektiert werden. Nicht nur ich, auch mein Partner, daran sollte ich immer denken. Bevor jedoch jemand mich lieben und respektieren kann, muss ich es selber tun. Und ich muss meine Bedürfnisse und Werte kennen und mitteilen. Nun wird es spannend, die Werte und Bedürfnisse meines Partners zu erfahren. Finden wir uns? Zu welchen Kompromissen sind wir jeweils bereit? Was gibt es allenfalls für Lösungen? Man kann verheiratet sein und trotzdem an verschiedenen Orten wohnen. Man kann zusammen wohnen und einander trotzdem immer wieder überraschen. Und auch wenn man verheiratet ist oder zusammen lebt, muss man doch nicht alles gemeinsam tun. Eigenständigkeit der beiden Partner lässt gemeinsames umso mehr geniessen...

...womit könntest du heute deinen Liebsten / deine Liebste überraschen...?

Kommentare  

#2 Brigitte 2017-11-05 10:07
Vielen Dank, liebe Samantha :-)

Ich habe auf Wikipedia eine übersichtliche Beschreibung zum Inhalt, resp. den Themen des Buches gefunden...
de.wikipedia.org/wiki/F%C3%BCnf_Sprachen_der_Liebe
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#1 Samantha Hauri 2017-11-04 21:31
Wunderschön Brigitte ❤️

Auch interessant zu diesem Thema ist das Buch von Gary Chapman: Die 5 sprachen der Liebe
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