Shinrin Yoku - Waldbaden

17. 09. 08

Gib etwas altem, verstaubten einen neuen Namen und es bekommt eine neue Bedeutung!

Wir alle wissen und spüren instinktiv, was die japanische Wissenschaft so nach und nach fundiert erforscht und bestätigt: Der Aufenthalt im Wald tut uns gut. Und zwar sehr gut - auf allen Ebenen, körperlich, seelisch, geistig.

1982 kam von der staatlichen japanischen Forstbehörde die Anregung, Ausflüge in den Wald als "Bestandteil eines guten Lebensstils" zu integrieren. Seit 2012 wird an japanischen Universitäten im Forschungszweig "Forest Medicine" über die Auswirkungen des Aufenthalts im Wald auf unsere Gesundheit geforscht. Was dazu führt, dass Waldaufenthalte in Japan ärztlich verordnet werden und sogar spezielle Waldgebiete zu Waldtherapiezentren ernannt werden. In Japan hat sich Shinrin Yoku zwischenzeitlich zu einer anerkannten Stress- Management-Methode entwickelt welche vom Gesundheitswesen gefördert wird.

Im Wald sind alle Reize ein bisschen gedämpft: die Aussengeräusche sind bereits 100 Meter vom Waldrand entfernt nur noch um die Hälfte so stark; das Grün des Waldes beruhigt unser Gemüt über die Augen; die Temperatur im Wald ist immer etwas milder als ausserhalb, im Winter wärmer und im Sommer kühler; die Luftfeuchtigkeit ist höher als Ausserhalb des Waldes und die Staubpartikelkonzentration bedeutend geringer.

Was aber ist es, das uns so gut tut? Und wie wirkt sich das Gute auf unsere Gesundheit aus? Nur schon das Denken an einen Wald löst in uns beruhigende Gefühle aus. Beim Recherchieren zu diesem Artikel ist meine Vermutung, warum ich mich im Wald so wohl, sicher, geborgen und friedlich fühle, bestätigt worden: Forscher gehen davon aus, dass es damit zusammenhängt, weil der Mensch seit Urzeiten ein Waldwesen ist. Der Wald gab ihm Schutz vor Regen, Kälte und wilden Tieren und bot ihm Nahrung und Feuerholz. Man geht davon aus, dass diese "Erinnerung" noch immer in uns wirkt.

 

Im Wald werden alle unsere Sinne angesprochen:

Das Grün beruhigt und stärkt unsere Augen und wirkt entspannend auf unser Gemüt, was die Stresshormone Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol sinken lässt. Der Puls beruhigt sich und dadurch nimmt auch der Druck in den Gefässen ab. Die Ruhe, die kühle Luft, der weiche Waldboden und der Duft unterstützen diese Reaktionen um ein vielfaches.

Dieser Duft kommt von den ätherischen Ölen welche die Bäume in die Luft abgeben. Diese stärken unser Immunsystem, was wir auch aus der Aromatherapie kennen: Zum Beispiel das Fichtennadel-, Birken-, Edeltannen-, Kiefernadel-, Lärchen- und Tannenzapfenöl oder das Öl des nur in hohen Regionen vorkommenden und unter Naturschutz stehenden Latschkiefers. Diese Öle setzen wir zu Hause im Verdampfer ein bei Erkältung, Bronchitis, Stress, Überforderung oder depressiver Verstimmung. Aufgrund der Einatmung der in den ätherischen Ölen enthaltenen Terpene produziert unser Körper vermehrt Antikörper und Killerzellen, welche uns vor Krankheiten und Stress schützen.

Durch den Abbau der Stresshormone im Blut wirkt das Waldbaden entspannend bei Stress, Überforderung, Angstzuständen, Depressionen und Wut und steigert die Vitalität. Es ist überhaupt nicht erforderlich sich im Wald körperlich anzustrengen, zu joggen oder schweisstreibende Wanderungen zu unternehmen - obwohl diese Aktivitäten natürlich durch die zusätzlich erhöhte Sauerstoffaufnahme durchaus ihre Berechtigung haben. Positive Effekte spüren wir jedoch bereits beim Spazieren. Schon ein zehn minütiger Aufenthalt im Wald soll sich eine ganze Woche lang positiv auf unser Wohlbefinden auswirken. Für intensivere Ergebnisse empfehlen sich Aufenthalte von einem halben oder ganzen Tag - diese halten dann umso länger an.

 

Die beruhigende Wirkung des Grüns über die Augen und der immunsystemstärkende Einfluss der ätherischen Öle über die Atmung haben wir ja bereits besprochen. Auch die gedämpften Geräusche, das Vogelgezwitscher, Insektensummen - ja sogar das Rascheln der Tiere im Laub fördern weiter die gesundheitliche Wirkung des Shinrin Yoku, des Waldbadens, auf Körper, Geist und Seele.

Der weiche Boden im Wald tut nicht nur unseren Gelenken gut, er lässt uns auch alles andere im Leben etwas weicher empfinden. Hast du schon einmal einen Baum umarmt? Seine raue Rinde erfühlt? Sicher hast du als Kind mit der Hand über das weiche Moos gestrichen? Ganz genau hingeschaut? Ameisen beobachtet? Wann warst du zuletzt barfuss im Wald?

Wenn du Kräuterkundig bist findest du mehr zum Essen als Erd-, Heidel- und Brombeeren...

Dies alles hat längerfristige positive Auswirkungen auf unser Stress- und Sozialverhalten, auf die Qualität unseres Schlafs, auf die Rekonvaleszenz nach einer Krankheit. Durch den tieferen Stresslevel verbessern sich auch stressbedingte Symptome wie zum Beispiel Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme.

Kinder lernen besser in der Waldschule. Sie entwickeln ihre sozialen und kognitiven Fähigkeiten einfacher. Sind achtsamer, konzentrierter, disziplinierter und aufmerksamer.

Der Wald fördert Gefühle wie Dankbarkeit, Verbundenheit, Geborgenheit. Man erdet sich. Und vielleicht, bei längeren und regelmässigen Aufenthalten, entwickeln eir unseren sechsten Sinn... und erkennen auf einmal mehr als nur das Offensichtliche...

 

Und so wird aus dem verstaubten, biederen Sonntagsspaziergeng ein Trend der sich so wunderbar einfügt in das sich entwickelnde neue Gesundheitsbewusstsein, den Lifestyle zurück in den Fortschritt, wo die tragenden Säulen Gesundheit und Respekt vor dem Leben sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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